Bautzener FDP fordert Job-Initiative für Alleinerziehende PDF Drucken E-Mail
Montag, 25. April 2011 um 23:21
Herr Hauschild, die Bautzener FDP startet eine Initiative „Arbeitsplätze für Alleinerziehende“. Will die Wirtschaftspartei FDP ihr Image aufpolieren?

Das hat mit Image nichts zu tun. Wir Liberale in Bautzen und der Oberlausitz haben uns nie als reine Wirtschaftspartei verstanden. Bildung und Familienfreundlichkeit sind klassische FDP-Themen.

Aber Arbeitsplätze schafft immer noch die Wirtschaft, nicht die Politik - auch wenn es um Alleinerziehende geht.

Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, aber sie findet oft keine geeigneten Bewerber. Dieses Problem steht bereits heute, und es wird sich in Zukunft verschärfen. Auf der anderen Seite haben gerade alleinerziehende Mütter und Väter Probleme, passende Jobs zu bekommen. Denn sie müssen ja nicht nur eine Stelle für sich finden. Sie müssen auch sicherstellen, dass ihr Kind in dieser Zeit betreut wird.

Dafür gibt es Krippen, Kindergärten und Horte.

Wenn man denn einen Kita-Platz bekommt. Die Situation in Bautzen ist zwar besser als in vielen westdeutschen Städten. Eine wirkliche Vollversorgung gibt es aber nur in den Kindergärten, also für das Alter von drei bis sechs Jahren. In den Bautzener Krippen fehlen hingegen etwa 150 Plätze. Noch größer ist die Lücke bei den Hortplätzen.

Also geht es Ihnen um mehr Krippen- und Hortplätze.

Es geht uns um mehr: Unser Ziel ist es, die Vermittlung von Voll- oder Teilzeitarbeitsplätzen in der Stadt und die Bereitstellung von Betreuungsplätzen intelligent und unbürokratisch zu verbinden.

Das heißt?

Wir haben bei der Bautzener Stadtverwaltung, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter, also der Stelle, bei der die Hartz-IV-Empfänger betreut werden, recherchiert. Im Ergebnis steht fest, dass es in Bautzen 360 arbeitslose Alleinerziehende gibt, die meisten davon Frauen. Die Erfahrungen der Ämter zeigen, dass etwa die Hälfte dieser Alleinerziehenden aktiv Arbeit sucht. Hier müssen wir ansetzen.

In welcher Weise?

Aus unserer Sicht sollte das Wirtschaftsförderungsamt der Stadt als zentrale Vermittlungsstelle fungieren. Alleinerziehende können sich dort melden und ihre Qualifikation und ihren Betreuungsbedarf angeben. Wir haben dafür ein Formular auf einer A4-Seite entworfen. So erfahren wir, wie wir das Angebot an Krippen- und Hortplätzen ausbauen und anpassen müssen. Zugleich können Bautzener Firmen ihre Jobangebote beim Wirtschaftsförderungsamt melden. Wenn es dann passt, erhält der Alleinerziehende die Stelle und den gewünschten Kita- oder Hortplatz.

Ist das sinnvoll? Wir haben doch schon zwei Stellen, die sich um die Arbeitsvermittlung kümmern: das Kreis- Jobcenter und die Arbeitsagentur.

Jetzt spreche ich mal aus meiner Erfahrung als Unternehmer. Wer offene Stellen an die Arbeitsagentur meldet, wird zwar von Bewerbungen überschüttet. Die kommen aber meist von Arbeitslosen, die sich bewerben müssen, um ihre gesetzlichen Ansprüche nicht zu verlieren. Geeignete Bewerber sind nur selten dabei. Deshalb schreiben viele Firmen ihre Stellen gar nicht aus. Sie hören sich lieber in der Branche um oder geben entsprechende Informationen über die Mitarbeiter an Bekannte und Verwandte weiter.

Und bei Ihrer Initiative wäre das dann anders?

Mit Sicherheit. Denn Alleinerziehende wissen, worauf es im Leben ankommt. Sie sind flexibel, gut organisiert und können mit Stress umgehen. Sonst könnten sie ihren Alltag mit Kind gar nicht allein meistern. Jede Firma wird froh sein, solch einen hoch motivierten Mitarbeiter zu bekommen - erst Recht mit dem Wissen, dass die Betreuung der Kinder abgesichert ist.

Das mag ja alles so sein. Aber ist der Aufwand, den Sie beschreiben, nicht recht groß – für eine relativ kleine Gruppe.

Was heißt hier kleine Gruppe. Wir sprechen von 100 bis 150 Frauen und Männern, die in unserer Stadt Arbeit bekommen könnten. Das entspricht einem respektablen mittelständischen Unternehmen. Wie viel Aufwand würden wir wohl sonst betreiben, um so viele Arbeitsplätze nach Bautzen zu locken. Und was wäre, wenn dieser Schritt Investitionen erfordern würde – zum Beispiel in einem Gewerbegebiet? Dann würden wir dieses Geld doch ausgeben. Und warum dann nicht für neue Hort- und Krippenplätze? Wirtschaftsförderung findet nicht nur im Industriegebiet Salzenforst statt.

Gespräch: Ulli Schönbach

Interessierte Firmen und Alleinerziehende können sich melden bei : Mike Hauschild, Abgeordnetenbüro, Wendische Straße 2 in Bautzen, Telefon: 03591 597076.
 
Free Joomla Templates